Fehlerhafter Steuerbescheid

Fehlerhafter SteuerbescheidWer seine Steuererklärung fristgemäß abgibt, darf einige Wochen oder Monate später den Steuerbescheid in Empfang nehmen, wobei die meisten Steuerzahler mit einer Steuererstattung rechnen. Fällt diese niedriger aus als erwartet oder ist sogar eine Nachzahlung fällig, dann sollten Sie Ihren Steuerbescheid sorgfältig prüfen. Ist der Bescheid fehlerhaft, können Sie Einspruch einlegen. Immerhin sind zwei Drittel aller Einsprüche erfolgreich. Wie Sie den Steuerbescheid prüfen und wie Sie Einspruch einlegen – informieren Sie sich hier!

So prüfen Sie Ihren Steuerbescheid

Sofern Sie Bedenken bezüglich der Rechtmäßigkeit des Steuerbescheids haben, beginnt die akribische Suche nach möglichen Fehlern. Die einfachste Variante ist die, dass Sie Ihren Steuerberater mit der Prüfung beauftragen. Sofern Sie die Steuererklärung mit einer handelsüblichen Software erstellt haben, können Sie Abweichungen des Steuerbescheids anhand Ihres Berechnungsergebnisses leichter feststellen. Ansonsten beginnt Zeile für Zeile eine mühsame Suche nach möglichen Zahlendrehern und Fehlern. Prüfen Sie, ob Sonderausgaben, Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen und Freibeträge entlastend angerechnet und ob Einnahmen korrekt angesetzt wurden. Anhand der Lohnsteuerbescheinigung Ihres Arbeitgebers können Sie außerdem nachprüfen, ob die vom Finanzamt einbehaltene Lohnsteuer, der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer berücksichtigt wurden. Die Prüfung Ihres Steuerbescheids fällt leichter, wenn Sie diese anhand der Berechnungsergebnisse der Steuersoftware oder von Kopien Ihrer Erklärungsformulare vornehmen. Das gilt insbesondere bei größeren Kostenblöcken, zum Beispiel bei den Werbungskosten, wenn es beispielsweise um die Reisekosten oder um Fachliteratur geht. Gleiches gilt für Vorsorgeaufwendungen und außergewöhnliche Belastungen.

Einspruch einlegen und Frist berechnen

Sie haben einen Monat Zeit, um fristgemäß Einspruch einzulegen. Die Frist beginnt mit dem Zugang des Steuerbescheids beim Steuerzahler, wobei die Dauer des Postwegs mit berücksichtigt wird. Das bedeutet, dass sich die Einspruchsfrist am Datum des Steuerbescheids beziehungsweise am Begleitschreiben orientiert und drei Tage später, also am vierten Tag, zu laufen beginnt. Fällt das Ende der Frist auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, verlängert sich die Einspruchsfrist automatisch bis zum Ablauf des nächsten Werktags. Die Schriftform ist für einen Einspruch nicht zwingend vorgeschrieben, sodass Sie ihn mündlich beim Finanzamt zu Protokoll geben können. Da der Einspruch begründet werden muss, ist es jedoch sinnvoll, ihn schriftlich einzulegen, entweder per Brief, per Fax oder per E-Mail. Wichtig ist außerdem, den Einspruch als solchen zu bezeichnen und den Steuerbescheid zu benennen, gegen den Einspruch erhoben wird, ebenso wie Ihre Steuernummer. Die Begründung sollte sachlich und mit Nachweisen dokumentiert sein.

Die Entscheidung der Finanzbehörden

Der Einspruch hat keine aufschiebende Wirkung. Das bedeutet, dass die vom Finanzamt erhobene Forderung trotz des Einspruchs gezahlt werden muss, denn dieser löst keinen Zahlungsaufschub aus. Sie haben jedoch die Möglichkeit, einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung zu stellen, der die Zahlungsforderung hemmt. Sofern der Einspruch abgelehnt wird, muss nicht nur die Zahlungsforderung beglichen, sondern es müssen auch Zinsen gezahlt werden. Dabei handelt es sich um Zinsen in Höhe von 0,5 Prozent für jeden vollen Monat, die jedoch erst ab dem 16. Monat nach Fälligkeit anfallen. Ist der Einspruch erfolgreich, wird der Steuerbescheid entsprechend korrigiert und dem Steuerzahler erneut zugeschickt. Dann ist es möglich, dem Finanzamt Zinsen zu berechnen, die wiederum versteuert werden müssen. Wird der Einspruch als unbegründet abgelehnt, bleibt nur noch der Weg vor das Finanzgericht mit der Möglichkeit, Klage einzureichen und sein Recht gerichtlich zu erstreiten.

Die Gefahr einer Verböserung

Das Finanzamt ist im Falle eines Einspruchs verpflichtet, nicht nur den vom Steuerzahler monierten Sachverhalt, sondern den gesamten Steuerbescheid zu prüfen. So kann es passieren, dass sich der Steuerbescheid zu Ihrem Nachteil ändert, was als Verböserung bezeichnet wird. Das Finanzamt ist jedoch verpflichtet, Sie auf die Möglichkeit einer Verböserung hinzuweisen, die entsprechenden Gründe zu nennen und Ihnen die Gelegenheit zu geben, sich zu diesem neuen Sachverhalt zu äußern. Für Sie ist es wichtig zu wissen, dass Sie solange Ihren Einspruch zurückziehen können, bis das Finanzamt über Ihren Einspruch entschieden hat und Ihnen die Entscheidung zugegangen ist.

Tipp: Irrt sich das Finanzamt zu Ihren Gunsten, dürfen Sie auf die Richtigkeit des Steuerbescheids vertrauen und sind nicht verpflichtet, das Finanzamt über den Fehler zu informieren.